Arbeitsvertrag in Deutschland verstehen als internationaler Developer
Probezeit, Kündigungsfrist, Urlaubstage, Überstunden und Wettbewerbsverbot: Was internationale Developer über deutsche Arbeitsverträge wissen müssen, bevor sie unterschreiben.
Du hast das Vorstellungsgespräch hinter dir, das Angebot liegt vor dir, und jetzt sitzt du vor einem 12-seitigen PDF auf Deutsch, das dein zukünftiges Arbeitsleben regelt. Wenn du aus den USA, Indien, Brasilien oder der Türkei kommst, sieht ein deutscher Arbeitsvertrag anders aus als alles, was du bisher unterschrieben hast. Kein “at-will employment”, dafür gesetzlicher Kündigungsschutz. Kein pauschales “unlimited PTO”, dafür exakt definierte Urlaubstage. Und Begriffe wie “Probezeit”, “Wettbewerbsverbot” oder “Entgeltumwandlung” verlangen ein Verständnis des deutschen Arbeitsrechts, das Google Translate nicht liefern kann.
Dieser Guide erklärt die wichtigsten Klauseln eines deutschen Arbeitsvertrags für Developer, die aus dem Ausland kommen. Er zeigt, was Standard ist, was verhandelbar ist und welche Formulierungen du hinterfragen solltest, bevor du unterschreibst.
Was einen deutschen Arbeitsvertrag anders macht
Gesetzlicher Schutz statt “at-will”
In den USA kann dein Arbeitgeber dich ohne Angabe von Gründen kündigen, teilweise am selben Tag. In Deutschland ist das nach der Probezeit praktisch unmöglich. Das deutsche Arbeitsrecht schützt Arbeitnehmer durch das Kündigungsschutzgesetz (KSchG), das ab einer Betriebsgröße von mehr als zehn Mitarbeitern greift. Eine Kündigung braucht einen triftigen Grund: verhaltensbedingt, personenbedingt oder betriebsbedingt. Ohne diesen Grund ist die Kündigung anfechtbar.
Für dich als internationaler Developer bedeutet das: Dein Arbeitsvertrag ist nicht nur ein Stück Papier. Er ist ein rechtlich bindendes Dokument, das du nur schwer zu deinem Nachteil ändern lassen musst. Gleichzeitig bedeutet es, dass du dich genau damit beschäftigen solltest, was drinsteht, denn nach der Unterschrift lebst du mit diesen Bedingungen.
Vertragsform und Sprache
Deutsche Arbeitsverträge sind schriftliche Dokumente. Mündliche Zusagen zu Gehalt, Remote-Regelung oder Startdatum sind rechtlich schwer durchsetzbar. Alles, was dir im Bewerbungsgespräch versprochen wurde und dir wichtig ist, muss im Vertrag stehen.
Viele internationale Unternehmen in Deutschland stellen den Vertrag auf Englisch aus oder bieten eine zweisprachige Version. Bei deutschen Mittelständlern und kleineren Unternehmen bekommst du den Vertrag ausschließlich auf Deutsch. Wenn du den Vertrag nicht vollständig verstehst, lass ihn übersetzen oder von jemandem prüfen, der beide Sprachen und das deutsche Arbeitsrecht kennt.
Die wichtigsten Vertragsklauseln im Detail
Probezeit (Probation Period)
Die Probezeit dauert in Deutschland standardmäßig sechs Monate. Während dieser Zeit können beide Seiten das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen kündigen, ohne einen Grund angeben zu müssen. Das ist der Zeitraum, in dem du am wenigsten geschützt bist.
Nach Ablauf der Probezeit greift der reguläre Kündigungsschutz mit deutlich längeren Fristen und der Pflicht zur Begründung. Die Probezeit ist also kein Formalismus, sondern eine echte Testphase für beide Seiten.
Was du prüfen solltest: Eine Probezeit von mehr als sechs Monaten ist in den meisten Fällen rechtlich nicht haltbar. Manche Unternehmen umgehen das mit einem befristeten Vertrag über 12 Monate, der erst danach in einen unbefristeten Vertrag umgewandelt wird. Das ist legal, aber für dich deutlich schlechter als ein unbefristeter Vertrag mit Standard-Probezeit. Bestehe auf einem unbefristeten Vertrag (unbefristeter Arbeitsvertrag), wenn es irgendwie möglich ist.
Besonderheit für Blue-Card-Inhaber: Wenn du eine Blue Card hast und in der Probezeit gekündigt wirst, endet dein Arbeitsvertrag mit kurzer Frist. Deine Aufenthaltserlaubnis bleibt zwar nicht sofort ungültig, aber du musst schnell eine neue qualifizierte Stelle finden. Die genaue Frist hängt von deinem Einzelfall ab. Kläre deinen Status bei der zuständigen Ausländerbehörde.
Kündigungsfrist (Notice Period)
Die gesetzliche Mindestkündigungsfrist nach der Probezeit beträgt vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Sie steigt mit der Betriebszugehörigkeit:
- Während der Probezeit: 2 Wochen
- Nach der Probezeit: 4 Wochen zum 15. oder Monatsende
- Nach 2 Jahren: 1 Monat zum Monatsende
- Nach 5 Jahren: 2 Monate zum Monatsende
- Nach 8 Jahren: 3 Monate zum Monatsende
In der Praxis setzen viele Tech-Unternehmen von Anfang an eine dreimonatige Kündigungsfrist fest, unabhängig von der Betriebszugehörigkeit. Das gilt dann für beide Seiten.
Was du als internationaler Developer wissen musst: In den USA oder UK kannst du in vielen Fällen mit zwei Wochen Vorlauf kündigen. In Deutschland bist du an die vertragliche Kündigungsfrist gebunden. Wenn dein neuer Arbeitgeber dich in sechs Wochen anfangen lassen will und du eine dreimonatige Frist hast, wird das ein Problem. Du kannst versuchen, einen Aufhebungsvertrag (einvernehmliche Vertragsauflösung) auszuhandeln, aber dein aktueller Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, dem zuzustimmen.
Verhandlungsspielraum: Kürzere Kündigungsfristen sind verhandelbar, besonders bei Startups. Frag nach einer einmonatigen Frist im ersten Jahr mit Verlängerung danach. Das gibt dir mehr Flexibilität für deine nächste Karriereentscheidung.
Urlaubstage (Vacation Days)
Der gesetzliche Mindesturlaub in Deutschland liegt bei 20 Tagen pro Jahr, basierend auf einer Fünf-Tage-Woche. In der Tech-Branche bieten Unternehmen typischerweise 28 bis 30 Tage. Dazu kommen 9 bis 13 gesetzliche Feiertage, je nach Bundesland (Bayern hat 13, Berlin hat 10).
Wenn du aus den USA kommst, wo es keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch gibt und 10 bis 15 Tage branchenüblich sind, ist das ein erheblicher Unterschied. In Deutschland sind 30 Urlaubstage plus Feiertage die Norm für Tech-Rollen. Akzeptiere nichts unter 28 Tagen.
Verhandlungsspielraum: Urlaubstage über die 28-Tage-Marke zu verhandeln ist einer der einfachsten Verhandlungserfolge in Deutschland. Es kostet den Arbeitgeber relativ wenig, bringt dir aber spürbar mehr Lebensqualität.
Was du im Vertrag prüfen solltest: Achte darauf, ob der Vertrag einen Verfall von Urlaubstagen regelt. Gesetzlich verfällt nicht genommener Urlaub am 31. März des Folgejahres, aber nur, wenn der Arbeitgeber dich aktiv darauf hingewiesen hat, den Urlaub zu nehmen. Manche Verträge enthalten strengere Verfallsklauseln. Ob diese wirksam sind, hängt vom Einzelfall ab.
Gehalt: Brutto vs. Netto
Dein Vertrag nennt dein Bruttogehalt (Bruttojahresgehalt). Das ist die Zahl vor allen Abzügen. Was auf deinem Konto ankommt, ist das Nettogehalt, und der Unterschied ist erheblich.
Von deinem Bruttogehalt gehen ab:
- Einkommensteuer: progressiv, je nach Einkommen 14 bis 45 Prozent
- Solidaritätszuschlag: 5,5 Prozent der Einkommensteuer (entfällt für die meisten Steuerzahler seit 2021, greift bei höheren Einkommen)
- Krankenversicherung: circa 7,3 Prozent plus kassenindividueller Zusatzbeitrag (ca. 0,8 bis 1,7 Prozent)
- Rentenversicherung: 9,3 Prozent
- Arbeitslosenversicherung: 1,3 Prozent
- Pflegeversicherung: circa 1,7 bis 2,3 Prozent (abhängig von Alter und Kinderstatus)
Als grobe Faustregel: Bei einem Bruttogehalt von 70.000 Euro pro Jahr bleiben dir circa 42.000 bis 44.000 Euro netto, je nach Steuerklasse und individuellen Faktoren. Das entspricht einem Abzug von rund 37 bis 40 Prozent.
Was du als internationaler Developer beachten musst: In vielen Ländern werden Sozialabgaben separat berechnet und sind niedriger. In Deutschland sind sie im Brutto-Netto-Unterschied enthalten, dafür bekommst du eine umfassende Krankenversicherung, Rentenansprüche und Arbeitslosenversicherung. Vergleiche Gehälter immer brutto mit brutto und rechne dann separat um, was netto übrig bleibt.
Überstundenregelung (Overtime)
Deutsche Arbeitsverträge regeln Überstunden auf drei verschiedene Arten:
Pauschalabgeltung: “Mit dem Gehalt sind X Überstunden pro Monat abgegolten.” Das ist legal, solange die Anzahl klar begrenzt ist. 10 Stunden pro Monat sind üblich. 20 oder mehr sind aggressiv. Eine Klausel ohne Obergrenze ist in vielen Fällen unwirksam.
Vergütung oder Freizeitausgleich: Überstunden über die vertragliche Arbeitszeit hinaus werden entweder bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen. Das ist die transparenteste Variante.
Vertrauensarbeitszeit: Keine Zeiterfassung, du organisierst deine Arbeitszeit selbst. Das klingt attraktiv, kann aber bedeuten, dass Überstunden unsichtbar werden und nie ausgeglichen werden. In der Praxis ist Vertrauensarbeitszeit bei Startups und einigen Konzernen verbreitet.
Was du prüfen solltest: Wenn dein Vertrag eine Pauschalabgeltung enthält, zähle die Stunden. 10 Stunden pro Monat bei einem Gehalt von 75.000 Euro brutto? Das kann vertretbar sein. 20 Stunden pro Monat bei einem mittleren Gehalt? Dann verschenkst du effektiv Arbeitszeit. Eine Klausel, die “sämtliche Überstunden” als abgegolten erklärt, solltest du hinterfragen.
Wettbewerbsverbot (Non-Compete Clause)
Ein Wettbewerbsverbot verbietet dir, nach dem Ende deines Arbeitsverhältnisses für einen bestimmten Zeitraum bei einem Konkurrenten zu arbeiten. In Deutschland gelten dafür strenge Regeln:
- Das Wettbewerbsverbot ist nur wirksam, wenn der Arbeitgeber eine Karenzentschädigung zahlt. Die Mindesthöhe liegt bei 50 Prozent deiner letzten Vergütung für jeden Monat der Beschränkung.
- Die maximale Dauer beträgt zwei Jahre.
- Ein Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung ist unwirksam.
Vergleich mit den USA: In den USA (in Staaten, die Non-Competes erlauben) gibt es oft keine gesetzliche Pflicht zur Entschädigung. In Deutschland musst du als Arbeitnehmer zwar eingeschränkt werden können, aber dafür auch bezahlt werden. Prüfe, ob eine Karenzentschädigung im Vertrag steht. Wenn nicht, ist die Klausel vermutlich nicht durchsetzbar, aber du solltest sie trotzdem vor der Unterschrift ansprechen.
Tipp: Wenn du kein Wettbewerbsverbot willst, verhandle es vor der Unterschrift heraus. Nachdem du unterschrieben hast, wird es schwieriger.
Befristeter vs. unbefristeter Vertrag
In Deutschland gibt es zwei Vertragstypen: befristete und unbefristete Verträge. Als internationaler Developer solltest du immer einen unbefristeten Vertrag anstreben.
Unbefristeter Vertrag (unbefristetes Arbeitsverhältnis): Das ist der Standard in der deutschen Tech-Branche. Nach der Probezeit genießt du vollen Kündigungsschutz. Der Vertrag läuft, bis eine Seite kündigt.
Befristeter Vertrag (befristetes Arbeitsverhältnis): Läuft zu einem festen Datum aus, ohne dass eine Kündigung nötig ist. Kann ohne sachlichen Grund maximal zwei Jahre dauern (mit bis zu drei Verlängerungen). Ein befristeter Vertrag kann eine Red Flag sein, wenn das Unternehmen ihn als verlängerte Probezeit nutzt.
Besonderheit für Nicht-EU-Developer: Deine Aufenthaltserlaubnis (Blue Card oder Arbeitserlaubnis) ist an dein Arbeitsverhältnis gebunden. Ein befristeter Vertrag bedeutet, dass du vor Ablauf aktiv nach einer Verlängerung oder einem neuen Job suchen musst, sonst gefährdest du deinen Aufenthaltsstatus. Ein unbefristeter Vertrag gibt dir deutlich mehr Sicherheit.
Was verhandelbar ist und was nicht
Nicht jede Klausel in einem deutschen Arbeitsvertrag steht zur Diskussion. Manche Bedingungen sind gesetzlich festgelegt, andere sind Verhandlungssache.
| Klausel | Verhandelbar? | Typischer Spielraum |
|---|---|---|
| Grundgehalt | Ja | 10-20% über Erstangebot möglich [1] |
| Urlaubstage | Ja | 2-5 Tage über dem initialen Angebot |
| Remote-Regelung | Ja | Anzahl der Remote-Tage pro Woche |
| Weiterbildungsbudget | Ja | 1.000-3.000 € jährlich verhandelbar |
| Signing Bonus | Ja | Besonders wenn Gehaltsspielraum begrenzt |
| Umzugskostenpauschale | Ja | 5.000-15.000 € für internationale Kandidaten |
| Kündigungsfrist | Teilweise | Kürzere Frist im ersten Jahr möglich |
| Wettbewerbsverbot | Ja | Kann oft komplett gestrichen werden |
| Probezeit-Dauer | Nein [2] | 6 Monate sind Standard, selten verhandelbar |
| Gesetzliche Sozialabgaben | Nein | Gesetzlich festgelegt, kein Spielraum |
[1] Abhängig von Erfahrung, Marktlage und Unternehmensgröße. Mehr zum Verhandlungsprozess im Gehaltsverhandlungs-Guide.
[2] Theoretisch verhandelbar, in der Praxis akzeptieren Arbeitgeber selten Abweichungen.
Vergleich mit US/UK-Arbeitsverträgen
Wenn du aus einem anglophonen Arbeitsmarkt kommst, werden dich einige Aspekte deutscher Verträge überraschen.
Kein “at-will employment”: In den USA kann dein Arbeitgeber dich ohne Grund und ohne Frist entlassen. In Deutschland ist das nach der Probezeit nur mit triftigem Grund möglich. Das schützt dich, bindet dich aber auch stärker an deinen aktuellen Arbeitgeber durch die Kündigungsfrist.
Keine “unlimited PTO”: US-Tech-Unternehmen bieten oft “unlimited vacation”, was in der Praxis häufig dazu führt, dass Mitarbeiter weniger Urlaub nehmen als bei einem festen Kontingent. In Deutschland hast du einen klar definierten Anspruch auf mindestens 20 Tage (branchenüblich 28 bis 30), und dein Arbeitgeber ist verpflichtet, dich darauf hinzuweisen, den Urlaub tatsächlich zu nehmen.
Krankheitstage sind kein Urlaub: In Deutschland hast du einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für bis zu sechs Wochen pro Krankheit. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld (circa 70 Prozent des Brutto, gedeckelt). Krankheitstage werden nicht von deinen Urlaubstagen abgezogen.
Arbeitszeugnis statt Reference: In den USA fragst du ehemalige Kollegen nach einer Empfehlung. In Deutschland hast du einen Rechtsanspruch auf ein formales Arbeitszeugnis mit codierter Sprache, das jeder künftige Arbeitgeber zu lesen versteht.
Steuerklassen: In Deutschland wird dein Steuersatz durch deine Steuerklasse bestimmt, die von deinem Familienstand abhängt. Ledige erhalten Steuerklasse I. Verheiratete können zwischen verschiedenen Kombinationen wählen (III/V oder IV/IV). Das beeinflusst, wie viel Netto du monatlich bekommst (nicht aber die Jahressteuerlast, die wird über die Steuererklärung ausgeglichen).
Fehler, die du vermeiden solltest
Fehler 1: Nur auf das Bruttogehalt schauen
Ein Angebot von 80.000 Euro brutto klingt gut, bis du realisierst, dass davon circa 47.000 bis 49.000 Euro netto bleiben. Vergleiche Angebote immer auf Netto-Basis und rechne Benefits wie betriebliche Altersvorsorge, Urlaubstage und Mobilitätszuschüsse mit ein. Zwei Angebote mit gleichem Brutto können sich um 5.000 bis 10.000 Euro im Gesamtwert unterscheiden.
Fehler 2: Mündliche Zusagen nicht schriftlich festhalten
“Wir sind flexibel mit Home Office” oder “Nach der Probezeit reden wir über eine Gehaltserhöhung” sind keine vertraglichen Zusagen. Wenn dir etwas versprochen wird, das nicht im Vertrag steht, bitte darum, es als Zusatzvereinbarung (Nachtrag) aufzunehmen. Mündliche Absprachen überleben Managementwechsel und Reorganisationen selten.
Fehler 3: Nicht verhandeln, weil man das Visum braucht
Viele internationale Developer, besonders Nicht-EU-Bürger, vermeiden jede Verhandlung aus Angst, das Angebot zu verlieren und damit ihren Visa-Prozess zu gefährden. Das ist verständlich, aber in den meisten Fällen unbegründet. Ein Unternehmen, das bereit ist, dich einzustellen und ein Visum zu sponsern, hat bereits erheblichen Aufwand in den Recruiting-Prozess investiert. Eine sachliche, marktdatenbasierte Gehaltsverhandlung wird das Angebot nicht gefährden.
Fehler 4: Die Kündigungsfrist ignorieren
Eine dreimonatige Kündigungsfrist klingt abstrakt, bis du ein besseres Angebot bekommst und dein neuer Arbeitgeber dich in sechs Wochen anfangen lassen will. Prüfe die Kündigungsfrist, bevor du unterschreibst, und verhandle sie, wenn sie dir zu lang ist.
Fehler 5: Den Vertrag unter Zeitdruck unterschreiben
Lass dich nicht drängen. Ein seriöser Arbeitgeber gibt dir mindestens eine Woche, um den Vertrag zu prüfen. Wenn dir jemand sagt “Unterschreib bis morgen, sonst verfällt das Angebot”, ist das ein Warnsignal. Nimm dir die Zeit, den Vertrag zu lesen, Fragen zu stellen und gegebenenfalls Rat einzuholen.
Fehler 6: Einen befristeten Vertrag ohne Nachfrage akzeptieren
Wenn dir ein befristeter Vertrag angeboten wird, frag nach dem Grund. Manchmal gibt es legitime Gründe (Projektbefristung, Vertretung). Oft ist es aber ein Versuch, die Probezeit faktisch zu verlängern. Bestehe auf einem unbefristeten Vertrag, wenn du die Wahl hast.
Red Flags im Arbeitsvertrag
Bestimmte Klauseln oder Verhaltensweisen sollten dich aufhorchen lassen:
Sofort hinterfragen:
- Probezeit länger als sechs Monate
- Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung
- Überstundenklausel ohne Obergrenze (“sämtliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten”)
- Befristeter Vertrag ohne nachvollziehbaren sachlichen Grund
- Gehalt deutlich unter dem Marktdurchschnitt für deine Erfahrung und Stadt
Verhandeln:
- Weniger als 28 Urlaubstage
- Remote-Regelung nur als mündliche Zusage, nicht im Vertrag
- Kündigungsfrist von drei Monaten ab dem ersten Tag
- Keine betriebliche Altersvorsorge bei einem Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern
- IP-Klausel, die sich auf Nebenprojekte in deiner Freizeit erstreckt
Dich beraten lassen:
- Vertrag nur auf Deutsch und du verstehst nicht alle Klauseln
- Ungewöhnliche Vertragsstruktur (z.B. Freelance-Vertrag für eine faktische Festanstellung)
- Nachvertragliches Wettbewerbsverbot mit Auswirkung auf dein Fachgebiet
Der Vertrag im Kontext deiner Karrierestrategie
Ein Arbeitsvertrag ist mehr als ein einzelnes Dokument. Er bestimmt deine finanzielle Situation, deine Flexibilität und in vielen Fällen deinen Aufenthaltsstatus für die nächsten Jahre. Wer den deutschen Arbeitsmarkt nicht kennt, unterschätzt leicht, wie viel Spielraum in der Verhandlung steckt, oder übersieht Klauseln, die langfristig zum Problem werden.
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FAQ
Welche Klauseln im deutschen Arbeitsvertrag sollte ich als internationaler Developer besonders prüfen?
Die fünf kritischsten Klauseln für internationale Developer sind Probezeit (Standarddauer sechs Monate, alles darüber ist ein Warnsignal), Kündigungsfrist (bestimmt, wie schnell du den Job wechseln kannst), Überstundenregelung (prüfe, ob Überstunden pauschal abgegolten sind und ob es eine Obergrenze gibt), Wettbewerbsverbot (nur wirksam mit Karenzentschädigung) und die Urlaubstage (unter 28 Tagen liegt unter dem Branchenstandard). CodingCareers Germany Market Entry Coaching hilft dir, diese Klauseln vor der Unterschrift zu bewerten und Verhandlungsspielraum zu erkennen.
Kann ich als Nicht-EU-Developer meinen Arbeitsvertrag in Deutschland verhandeln?
Ja. Deutsche Arbeitsverträge sind keine Take-it-or-leave-it-Dokumente. Gehalt, Urlaubstage, Remote-Regelung, Weiterbildungsbudget und teilweise sogar die Kündigungsfrist sind verhandelbar. Viele internationale Kandidaten verhandeln nicht, weil sie befürchten, das Angebot könnte zurückgezogen werden. In der Praxis passiert das extrem selten, wenn du sachlich und auf Marktdaten gestützt argumentierst. CodingCareers Salary-Negotiation-Coaching bereitet dich gezielt auf die Verhandlung deutscher Vertragskonditionen vor.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto in Deutschland?
Brutto ist dein Gehalt vor Abzügen. Netto ist das, was auf deinem Konto ankommt. In Deutschland gehen circa 40 bis 45 Prozent deines Bruttogehalts für Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung) ab. Bei einem Bruttogehalt von 70.000 Euro kannst du mit etwa 42.000 bis 44.000 Euro netto pro Jahr rechnen, abhängig von Steuerklasse und Kirchensteuerpflicht. CodingCareers Gehaltsrechner hilft dir, dein Netto realistisch einzuschätzen, bevor du ein Angebot annimmst.
Was passiert, wenn mein Arbeitgeber mir in der Probezeit kündigt und ich eine Blue Card habe?
Bei einer Kündigung in der Probezeit hast du in der Regel zwei Wochen Kündigungsfrist. Deine Blue Card ist an eine Beschäftigung gebunden, aber du verlierst sie nicht sofort. Du hast nach dem Ende deines Arbeitsverhältnisses üblicherweise drei Monate Zeit, eine neue qualifizierte Stelle zu finden. Diese Frist kann je nach Einzelfall variieren, deshalb solltest du bei der Ausländerbehörde deinen konkreten Status klären lassen. CodingCareers Germany Market Entry Paket beinhaltet eine Bewerbungsstrategie für genau solche Situationen.
Soll ich den Arbeitsvertrag von einem Anwalt prüfen lassen?
Bei einem Standard-Arbeitsvertrag eines etablierten Unternehmens ist eine Anwaltsprüfung oft nicht nötig, wenn du die wesentlichen Klauseln verstehst. Bei kleinen Unternehmen ohne HR-Abteilung, ungewöhnlichen Vertragsstrukturen (zum Beispiel befristete Verträge mit Verlängerungsoption) oder einem Wettbewerbsverbot lohnt sich eine anwaltliche Prüfung. Fachanwälte für Arbeitsrecht bieten in der Regel eine Ersteinschätzung für 200 bis 400 Euro an. CodingCareers Coaching kann dir vorab helfen, die wesentlichen Vertragspunkte einzuordnen und zu verstehen, worauf du bei der anwaltlichen Prüfung besonders achten solltest.